Liebe Bürger aus Falkensee, liebe Parteifreunde der AfD,

Ich freue mich sehr, dass zu der heutigen Gedenkveranstaltung hier in unserer Stadt Falkensee, direkt an der Stadtgrenze zu Berlin, doch eine ganze Reihe von Menschen gekommen sind, denen offenbar die Erinnerung an ein einschneidendes Ereignis der deutschen Zeitgeschichte noch nicht abhanden gekommen ist. Wir gedenken heute des Mauerbaus vom 13. August 1961, der an diesem Tage vom Regime des DDR begonnen wurde und der in den

Liebe Bürger aus Falkensee, liebe Parteifreunde der AfD,

Ich freue mich sehr, dass zu der heutigen Gedenkveranstaltung hier in unserer Stadt Falkensee, direkt an der Stadtgrenze zu Berlin, doch eine ganze Reihe von Menschen gekommen sind, denen offenbar die Erinnerung an ein einschneidendes Ereignis der deutschen Zeitgeschichte noch nicht abhanden gekommen ist. Wir gedenken heute des Mauerbaus vom 13. August 1961, der an diesem Tage vom Regime des DDR begonnen wurde und der in den nachfolgenden Monaten immer mehr ausgebaut und perfektioniert wurde.

Das SED-Regime verfolgte damit die Absicht, die Fluchtbewegung von immer mehr DDR-Bürgern nach Westberlin und in die Bundesrepublik einzudämmen und möglichst ganz zu stoppen. Grund für diese massenhafte Flucht aus der DDR waren die undemokratischen Zustände, die Einschränkung der bürgerlichen Rechte; die Verfolgung Andersdenkender und oppositioneller Kräfte, die vielfach unter fadenscheinigen Begründungen in der DDR inhaftiert wurden; die massenhafte Bespitzelung die eigenen Bevölkerung durch ein Regime, welches die bürgerlichen Freiheiten und die Menschenrechte mit Füßen trat.

Neben diesen politischen Gründen wurde für der Bevölkerung der DDR immer mehr sichtbar, dass die wirtschaftliche Entwicklung der DDR immer weiter hinter dem Wirtschaftswunder in der Bundesrepublik zurückblieb. Die Arbeiter im Osten arbeiteten genauso hart wie ihre Berufskollegen im Westen, aber sie konnten die Früchte Ihrer Arbeit nicht ernten, weil das sozialistische Wirtschaftssystem ein Hindernis für den wirtschaftlichen Aufschwung war. Die Kräfte eines freien Marktes konnten sich in der DDR nicht so entfalten , wie es im Westen, in der freien Marktwirtschaft der Fall war. In der DDR hatte sich schon längst eine kleine Schicht von führenden Funktionären herausgebildet, die enorme Privilegien genießen konnte, während für die große Mehrheit der Bevölkerung solche Waren wie Südfrüchte oder andere Dinge des täglichen Bedarfs oft Mangelware blieben. Und Reisen ins westliche Ausland waren für DDR-Bürger fast unmöglich, weil die Währung der DDR viel zu wenig Kaufkraft hatte.

Anstatt nun wirtschaftliche Reformen durchzuführen, um die Versorgung der Bevölkerung zu verbessern und auf diese Weise die Fluchtbewegung zu stoppen, entschloss sich die DDR-Führung, ihr Land ringsherum hermetisch abzuschließen. Auf diese Weise wurden aber die Lebensverhältnisse noch unerträglicher. Das hatte zur Folge, dass die Menschen sich nun alle möglichen Wege ausdachten, um auf abenteuerliche Weise in den Westen zu flüchten: über Mauer und Stacheldraht, durch Tunnel, mit Schlauchbooten, im Kofferraum von Autos über die Transit-Autobahn, in selbstgebauten Flugapparaten und vieles andere mehr. Viele Flüchtende verloren dabei ihr Leben: Insgesamt starben bei der Flucht in den Westen zwischen 1961 und 1989 an der Berliner Mauer etwa 250 Menschen, an der innerdeutschen Grenze waren es 370, in der Ostsee etwa 200, und noch viele weitere bei anderen Arten der Flucht. Insgesamt verloren bei Fluchtversuchen 872 Menschen ihr Leben.

Selbstverständlich hatten diese Flüchtlinge aus Deutschland nach Deutschland auch das Recht, in die Bundesrepublik einzuwandern; das ist ein fundamentaler Unterschied zu den Millionen von illegalen Zuwanderern aus anderen Erdteilen, die seit einigen Jahren hier zu uns nach Deutschland kommen.

Hier direkt hinter uns sind mehrere Informationstafeln aufgestellt, auf denen die Geschichte der Berliner Mauer, die Vorgeschichte und auch die Zeit des Mauerfalls von 1989 ausführlich dokumentiert wird, mit vielen Fotos und Berichten von Zeitzeugen. Nur ein kleines Stück weiter in diese Richtung, etwa 300 m von hier, hat der Falkenseer Bildhauer Ingo Wellmann eine Holzplastik künstlerisch gestaltet, welche die Flucht über die Mauer darstellt. Man erkennt ein Stück der Mauer, bei der auf der einen Seite ein Flüchtling eine Leiter hochklettert, und sich dann auf der anderen Seite einfach wieder von der Mauer herabläßt, in die Freiheit. So einfach war jedoch der Vorgang der Flucht fast nie.

Eines dieser Schicksale möchte ich herausgreifen, um zu schildern, dass es nicht nur bei den Flüchtlingen um Leben und Tod ging, sondern auch bei den Fluchthelfern. Besonders tragisch erscheint mir eine Flucht über die Grenze, die damals 1961 nur ein Stacheldrahtzaun war, nach West-Berlin, bei der sich ein Student, damals 20 Jahre alt, als Fluchthelfer betätigte. Es handelte sich um Dieter Wohlfahrt, der als österreichischer Staatsbürger in West-Berlin wohnte und dort an der Technischen Universität studierte. Es verhalf vielen DDR-Bürgern zur Flucht in den Westteil, nicht aus finanziellen Gründen, sondern aus Überzeugung, weil er das DDR-Regime aus politischen Gründen ablehnte.

Er konnte als Österreicher immer ungehindert in die DDR einreisen und nutzte dies immer wieder zur Vorbereitung solcher Fluchtaktionen, so auch dieses mal. Eine junge Frau, die erst kürzlich in den Westen geflüchtet war, hatte ihn gebeten, auch ihrer Mutter bei der Flucht von Ost nach West zu helfen. Es war alles vorbereitet, eine Stelle am Grenzzaun zwischen Spandau und Staaken, das damals noch zur DDR gehörte, war vereinbart. In der Nacht vom 9.12.1961, also noch im Jahr des Mauerbaus, fuhr nun Dieter Wohlfahrt mit einem Freund in einem geliehenen VW-Bus von der Spandauer Seite zur vereinbarten Stelle an den Grenzzaun, schnitt ihn durch, und wartete dort auf die Frau, die von der Staakener Seite flüchten wollte. Die kam auch, aber sie rief absurderweise plötzlich lauthals nach ihrer Tochter. Das war offenbar als Signal an die DDR-Grenzposten gedacht: Diese erschienen plötzlich auf der Bildfläche, riefen zu den Fluchthelfern "Halt! Grenzpolizei!", und Sekunden danach schossen sie schon. Während sich der Freund von Dieter Wohlfahrt unverletzt retten konnte, wurde Wohlfahrt selber tödlich getroffen. Die West-Berliner Polizisten, die kurz darauf hinzukamen und ihm helfen wollten, konnten nicht an ihn herankommen. Er blieb stundenlang verletzt im Grenzstreifen liegen und wurde dann leblos von den Grenztruppen abtransportiert.

Heute, am 13 August 2017, also 56 Jahre nach dem Mauerbau an der innerdeutschen Grenze, gedenken wir nicht nur Dieter Wohlfahrts, sondern aller Flüchtenden, die an dieser unmenschlichen Grenze ihr Leben verloren haben. Wir wollen damit auch ein sichtbares Zeichen setzen gegen alle Regimes, die mit Terror und Gewalt ihre eigenen Völker unterdrücken und ihnen keine Bürgerrechte gewähren. Die Fraktion der AfD in der Stadtverordnetenversammlung Falkensee beabsichtigt, einen Antrag einzubringen, nach dem eine Straße oder ein Platz nach Dieter Wohlfahrt benannt wird. Wir haben dieses Thema dort schon angesprochen. Damit wollen wir nicht nur Dieter Wohlfahrt in bleibender Erinnerung behalten, sondern auch die vielen anderen Deutschen, die ihr Leben riskiert haben, um sich innerhalb des eigenen Landes frei zu bewegen und dort in ihrem Heimatland zu leben, wo sie für richtig halten. Wir bewundern den Mut, die Initiative und den Erfindungsreichtum, den die Flüchtenden und ihre Helfer dabei an den Tag gelegt haben. Heute, am 13. August, zeigen wir, dass wir auch diese Seite der Erinnerungskultur aus der jüngeren deutschen Geschichte in Ehren halten.

Als sichtbares Zeichen dieser Erinnerung legen wir nun unsere Blumen direkt vor den Gedenktafeln nieder.

Wir bleiben dann anschließend noch eine Gedenkminute lang vor den Tafeln stehen, um den Opfern an der Berliner Mauer unsere Ehre zu erweisen.

Ulrich Storm